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  • Beate

Erfolgreiche Bewerbung als Lehrende(r) im Hochschulkontext - von Hüten zu Hörsälen

Aktualisiert: 18. Aug. 2023

Du hast dich auf eine interessante Stelle oder eine Professur beworben und eine Einladung zum Auswahlverfahren erhalten? Glückwunsch! Du hast die erste Hürde erfolgreich genommen - nun gilt es, den Termin gut vorzubereiten.


Bild von Lucian Aeris auf Pixabay

Im Rahmen des Auswahlverfahrens möchte die Kommission (und andere Anwesende) dich zum einen kennenlernen und einen Einblick in deine Fach- und Lehrkompetenz erhalten. Zum anderen möchten sie herausfinden, inwieweit dein Gesamtpaket zur strategischen und inhaltlichen Ausrichtung der jeweiligen Hochschule oder Uni passt. Evtl. wird dir auch gleich die Möglichkeit einer Probevorlesung mit Studierenden gegeben.


Zu deiner Vorbereitung gehören dementsprechend:


1) Deine Selbstpräsentation planen


Hier geht es darum, aus deiner Biografie gezielt Aspekte auszuwählen bzw. hervorzuheben, die für die ausgeschriebene Stelle besonders relevant sind.

  • Welche Kompetenzen und Erfahrungen bringst du mit?

  • Welche beruflichen Meilensteine hast du gemeistert?

  • Was hat dich als Persönlichkeit geprägt?

  • Was charakterisiert dein Berufsverständnis und professionelles Handeln?

Für die Selbstpräsentation wird oft ein zeitlicher Rahmen von 3-5 Minuten gesetzt.


2) Dein didaktisches Know-how sichtbar machen


Hier profitierst du enorm, wenn du bereits ein persönliches Lehrportfolio erarbeitet hast. In einigen Fällen wird ein solches auch explizit verlangt. Schau dir dazu gerne noch einmal den entsprechenden Blogartikel an:


Die Herausforderung besteht nun darin, auch hier wiederum eine gezielte Auswahl an relevanten Informationen zu treffen, die du in die Darstellung deiner didaktischen Kompetenz einbindest.


Häufig wird im Rahmen eines Auswahlverfahrens eine Lehrveranstaltungsplanung oder eine didaktische Skizze für Lehreinheit verlangt, die du dann entsprechend vorstellst. In deiner Planung sollten grundlegende didaktische Prinzipien für lernförderliche Lernprozesse sichtbar werden, wie z.B. das Sandwich-Prinzip, ein gutes „constructive alignment“ (die Passung von Zielen, Methoden und Prüfungsanforderungen), sowie eine aktivierende und interaktive Gestaltung.


Führst du direkt eine Probevorlesung durch, ist vorab eine detaillierte Feinplanung für die vorgegebene Zeit zu empfehlen. Mit entsprechenden Hinweisen, welche Materialien oder welches Equipment du brauchst und vor Ort organisieren oder mitnehmen solltest. Außerdem bist du gut beraten, dich auf Fragen vorzubereiten, die seitens der Studierenden gestellt werden könnten.


3) Interviewfragen durchspielen


Im Anschluss an deine Selbstpräsentation und die Darstellung deiner didaktischen Kompetenz findet häufig ein Interview durch die Kommissionsmitglieder statt. In Vorbereitung darauf empfehlen wir dir, über die einzelnen Kommissionsmitglieder so viele Informationen im Vorfeld zu recherchieren wie möglich. Es geht darum, dir ein Bild zu machen

  • über ihren biografischen Weg und dessen „historische“ Einordnung;

  • welche Prägung haben sie erfahren, welche Veränderungen oder Umbrüche in ihrem Fach erlebt und gemeistert?

  • Für welche „Schule“ stehen sie oder welche vertreten sie?

  • Welche Interessen vertreten sie aktuell, für ihr Fach, ihre Fakultät, ihre Hochschule?

  • Welche Wünsche vermutest du hat jeder Einzelne im Hinblick auf eine ideale Stellenbesetzung?

  • Welchen Beitrag zur strukturellen oder inhaltlichen Lehrentwicklung an ihrer Universität wünschen sie sich vom zukünftigen Stelleninhaber:in?

Wer hat also welchen Hut auf?


Im nächsten Schritt kannst du dich in ihre Position versetzen und überlegen, welche Fragen sie dir jeweils stellen könnten. Was sie von dir erfahren möchten, um aus ihrer Perspektive Informationen zu bekommen, die für ihre Entscheidung wichtig sind.


Notiere dir am besten alle Fragen, die dir einfallen.


Dann gilt es, die Fragen am besten mit einem Sparringspartner:in durchzuspielen.

  • Wo fallen dir Antworten leicht, wo schwer?

  • Wo nimmst du Differenzen wahr zwischen einer diplomatischen und einer ehrlichen Antwort und wie willst du damit umgehen?

  • Bei welchen Fragen bist du kompromissbereit und wo hast du klare Grenzen oder Vorstellungen, die du nicht überschreiten willst?

Diese Übung wird dir sehr helfen, gut vorbereitet in die Echtsituation zu gehen.


4) Eigene Fragen an die Kommission vorbereiten


Am Ende des Interviews bekommen die Bewerber:innen noch die Möglichkeit, eigene Fragen an die Kommission zu stellen. Auch das will gut vorbereitet sein, wenn du davon ausgehst, dass du mit einem gewissen Aufregungsfaktor in der Situation vielleicht nicht so schnell spontan auf gute Fragen kommst. Also schau dir doch vorher nochmal detailliert die Stellenausschreibung durch.

  • Wo ist dir etwas unklar, was z.B. die Tätigkeit und den Verantwortungsbereich betrifft?

  • Welche Informationen brauchst du noch, um am Ende eine Entscheidung für oder gegen die Stelle zu treffen?

  • Welchen Hut hast du auf und was brauchst du, damit er zur Geltung kommen und wirken oder mit den anderen Hüten harmonieren kann? Welche Fragen möchtest du dafür klären?

Notiere dir am besten drei Fragen, die du dann flexibel einsetzen kannst.


5) Eigene Aufregung kompensieren


Versuch dein Lampenfieber zum Freund zu machen, denn es gibt dir den notwendigen Schub für einen lebendigen Auftritt. Überleg doch einmal, was dir in der Vergangenheit in ähnlichen Situationen geholfen hat. Vielleicht hast du bereits eine bewährte Strategie, die du einsetzen kannst? Was brauchst du in den letzten 30 Minuten vor deinem Auftritt? Ist es eher ein Rückzugsraum und Ruhe oder nochmal Bewegung, um Adrenalin abzuführen?


Versuche die Situation so zu gestalten, wie du es brauchst.


6) Organisatorisches klären


Zu guter Letzt ist es immer hilfreich und beruhigend, organisatorische Aspekte rechtzeitig geklärt zu haben. Dazu gehören z.B.

  • Infos zur Örtlichkeit (Gebäude, Raum, Anreise- oder Parkinfos, Wegezeiten)

  • Fragen zur technischen Ausstattung und sonstigem Equipment.


Fazit


Mit einer guten Vorbereitung kannst du wesentlich entspannter in ein Bewerbungs- oder Auswahlverfahren gehen. Freu dich über eine entsprechende Einladung und genieße deinen Auftritt. Du kannst nur gewinnen – an Erfahrungen, an Eindrücken, an Erkenntnissen!



Du wünscht dir professionelle Unterstützung bei der Vorbereitung?

Dann begleiten wir dich gern im Rahmen eines Einzelcoachings.


Sei mutig und wirf deinen Hut in den Ring.



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